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LOW←TECH MAGAZINE

Der Citroën 2CV: eine saubere Technologie aus den 40ern

Trotz aller Hightech, die mittlerweile in Autos steckt, ist der 2CV von 1949 immer noch energieeffizienter als der kleinste Citroën von heute.

Übersetzt von: Stella Rieck

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Falls man sich wundert, warum energieeffizientere Technologie nicht gleichbedeutend ist mit energieeffizienteren Autos, kann man einen Blick in diese Sammlung von Citroën Broschüren werfen (die meisten in verschiedenen Fremdsprachen) aus den 50ern, den 60ern, den 70ern, und den 80ern (und mehr hier, hier, hier und hier).

Dies sind originale, eingescannte Broschüren des legendären französischen Hippie-Autos “2CV” oder “Deux Chevaux” (in verschiedenen europäischen Ländern auch bekannt als “Ente” oder “Ziege”). Trotz aller Hightech, die mittlerweile in Autos steckt, ist der 2CV von 1949 immer noch energieeffizienter als das kleinste Modell des französischen Automobilherstellers von heute. Warum?

“Der 2CV zeigt uns, dass wir nicht mehr sondern weniger Technologie benötigen, wenn wir wirklich energieeffizientere Autos wollen.”

Der 2CV wurde zwischen 1949 und 1990 hergestellt und beinahe ausschließlich in Europa verkauft. Als er auf den Markt kam, hatte er einen Hubraum von 375 cm³, und eine Leistung von 8 hp (DIN-HP) bei einer Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h.

1954 wurde die Leistung auf 10 hp erhöht, wodurch eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erreicht werden konnte. 1974 stieg die Leistung auf 25 hp an, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 102 km/h. Spätere Modelle hatten einen Hubraum von 602 cm³, eine maximale Leistung von 30 hp und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

500 kg

Trotz der stark verbesserten Performance (fast eine Verdopplung des Hubraums und der Höchstgeschwindigkeit sowie eine Vervierfachung der Leistung) blieb das Gewicht des Hippie-Autos beständig bei etwa 500kg. (Quellen: 1,2,3)

Heute existiert kein einziges Auto, das auch nur annähernd diese Werte erreicht. Das kleinste Citroën-Modell, das im Moment auf dem Markt ist, der C1, wiegt 810 kg (obwohl leichtere Materialien für seine Herstellung verwendet wurden). Der Citroën C1 hat einen Hubraum von 998 cm³, eine maximale Leistung von 68 hp und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 157 km/h.

8x mehr Leistung

Verglichen mit den ersten 2CV Modellen beträgt das Gewicht des kleinsten Citroëns heute beinahe das Doppelte, die Höchstgeschwindigkeit hat sich mehr als verdoppelt und die Leistung hat sich um ein Achtfaches gesteigert.

Überraschenderweise ist der Verbrauch mehr oder weniger derselbe geblieben. Der C1 verbraucht 4.6 Liter auf 100 km, der 2CV verbrauchte durchschnittlich 4.4 Liter.

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Offensichtlich ist der Motor des C1 viel energieeffizienter als der des 2CV Modells, da letzterer die gleiche Menge Brennstoff benötigte, um ein viel leichteres und langsameres Fahrzeug zu bewegen.

In anderen Worten: Wenn wir diese moderne Technologie in einem Auto implementieren würden, das genauso leicht und langsam ist wie der 2CV aus den 50ern, würden wir jetzt Autos fahren, die kaum Brennstoff verbrauchen. Leider wurde aller technologische Fortschritt durch mehr Gewicht, mehr Leistung, höhere Geschwindigkeit, mehr Komfort und mehr Elektronik zunichte gemacht.

Sicherheitsgurte

Ein Teil des extra Gewichts kommt durch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Autohersteller beharren immer auf diesem Punkt – und natürlich ist mehr Sicherheit eine gute Sache. Da aber gleichzeitig die Geschwindigkeit der Autos rasant angestiegen ist, und eine erhöhte Geschwindigkeit mit schwerwiegenderen Unfällen einhergeht, wird ein Teil dieses Fortschritts wieder zunichte gemacht – genauso wie die höhere Energieeffizienz durch eine bessere Performance aufgehoben wird. Zumal letztendlich Sicherheitsgurte der wichtigste Grund dafür sind, dass die Sterblichkeit bei Autounfällen seit den 1970ern gesunken ist, und dieser Mechanismus tatsächlich nur ein geringes Gewicht hat.

Komfort

Ein andere Grund für das höhere Gewicht und den höheren Energieverbrauch sind die Entwicklungen im Bereich Komfort und Elektronik. Die ersten 2CVs hatten ein Armaturenbrett, das den Namen kaum verdiente. Das Auto hatte keine Heizung, oder Klimaanlage, es gab nicht einmal eine Tankanzeige.

Wenn man wissen wollte, wie viel Benzin noch vorhanden war, musste man anhalten und einen Messstab in den Tank stecken.

Wenn man wissen wollte, wie viel Benzin noch vorhanden war, musste man anhalten und einen Messstab in den Tank stecken. Bis in die 1960er wurden die Scheibenwischer durch die Räder gesteuert – und funktionierten deswegen nicht, wenn das Auto stillstand (außer man trieb sie von Hand an).

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Die Scheiben des 2CV konnte nicht auf mechanische Weise geöffnet werden, geschweige denn mit Elektrizität: Man musste sie mit dem Ellenbogen aufschieben. In heutigen Autos werden all diese (und jede Menge neue) Applikationen durch einen eigenen elektrischen Motor angetrieben.

Diese Elektronik steigert den Energieverbrauch, da sie das Gewicht des Autos erhöht und selbst Energie verbraucht (Elektrizität die durch den Verbrennungsmotor erzeugt wird). Wenn wir wirklich energieeffizientere Autos wollen, dann zeigt uns der 2CV, dass wir nicht mehr sondern weniger Technologie benötigen.

Kris De Decker

Broschüren via Things Magazine & Tecnología Obsoleta

Links (in English):

These sites have more information on the Citroën 2CV .

Also check out the brochures of the Panhard, the Hoffmann 2CV, the Dyane, the AMI, the plastic Mehari and other Citroën models.

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